Gehören Hobbys und Interessen in den Lebenslauf?

Grundsätzliches zu Hobbys und Interessen im Lebenslauf

Kaum ein Thema ist im Zusammenhang mit der Erstellung eines Lebenslaufs so umstritten wie die Frage nach der Nennung von Hobbys und Interessen. Die Meinungen von Personalberatern und Karriereratgebern gehen in dieser Frage weit auseinander. Während die einen die Meinung vertreten, dass Hobbys und Interessen im Lebenslauf nur unnötige Platzverschwendung seien, halten andere Hobbys und Interessen durchaus für eine wertvolle Zusatzinformation über den Bewerber und einen Mehrwert für jede Bewerbung.

Noch dazu erhöht sich die Komplexität der Fragestellung durch das schier endlose Universum an möglichen Hobbys und Interessen. Die Bandbreite reicht von Allerweltshobbys wie lesen und reisen bis zu außergewöhnlichen Hobbys wie Base-Jumping oder Extrembergsteigen.

Wie in so vielen Fragen des Lebens, ist auch die Antwort auf die Frage, ob Hobbys und Interessen in den Lebenslauf gehören, ein „Ja, aber“. Das Aber ist der entscheidende Faktor, auf den Bewerber achten sollten. Hobbys und Interessen sollten drei grundsätzliche Kriterien erfüllen.

  1. Sie sollten Ihrem potenziellen Arbeitgeber einen Mehrwert über Ihre Person bzw. Persönlichkeit liefern.
  2. Sie sollten einen Rückschluss auf Eigenschaften liefern, die in Ihrem neuen Job gefragt sind.
  3. Sie sollten Sie dabei unterstützen, sich von Ihren Mitbewerbern abzuheben.

Nur wenn mindestens eines dieser drei Kriterien erfüllt ist, sollten Sie das oder die Hobby(s) und Interesse(n) in Ihrem Lebenslauf tatsächlich erwähnen. Im Idealzustand erfüllt das Hobby oder Interesse alle drei Kriterien gleichermaßen.

In Befragungen gibt die Mehrheit der Personalmanager an, dass sie der Nennung von Hobbys und Interessen im Lebenslauf grundsätzlich positiv gegenüberstehen, diese jedoch nicht den Auswahlprozess der Kandidaten beeinflussen. Ein Bewerber mit Hobbys und Interessen liefert einem Personalmanager immer ein runderes Bild von sich selbst als ein Kandidat ohne.

In diesen Fällen sollten Sie Hobbys und Interessen weglassen

In zwei Fällen sollten Sie davon absehen, Hobbys und Interessen in Ihrem Lebenslauf anzuführen: Erstens, wenn Sie bereits einige Jahre Arbeitserfahrung haben. Zweitens, wenn Sie nur 08/15-Hobbys haben.

Von Bewerbern, die bereits einige Jahre Arbeitserfahrung gesammelt haben, wird in der Regel nicht mehr erwartet, dass sie in ihrem Lebenslauf auf Hobbys und Interessen eingehen. Den Personalmanager wird vielmehr interessieren, welche Stationen in der beruflichen Laufbahn des Kandidaten stehen und was der Bewerber konkret in seinen bisherigen Jobs getan und geleistet hat.

Ein sehr häufig gemachter Fehler in Lebensläufen ist die Nennung sogenannter 08/15-Hobbys. Darunter sind Freizeitbeschäftigungen zu verstehen, die von den meisten Menschen in der einen oder anderen Form ausgeübt werden. Die Klassiker unter den 08/15-Hobbys sind joggen, schwimmen, lesen, Fahrrad fahren, Musik hören und reisen. In 9 von 10 Bewerbungen liefern diese Allerweltshobbys weder einen Mehrwert über Sie, noch heben Sie sich damit von Ihren Konkurrenten um den Job ab.

In diesen Fällen sollten Sie Hobbys und Interessen nennen

Wie immer gibt es aber keine Regel ohne Ausnahme: Wenn Sie in eine neue Branche einsteigen wollen und Ihre Hobbys und Interessen einen starken Bezug dazu aufweisen, ist es selbstverständlich ratsam, sie auch in Ihrem Lebenslauf zu erwähnen. Angenommen, Sie wollen sich beruflich verändern und in Zukunft als Verkäufer in einem Sportfachgeschäft arbeiten. Bislang haben Sie noch keine Erfahrung in diesem Umfeld, Sie sind aber sehr sportlich und treiben mehrere Sportarten auf Amateur-Niveau. Für diese Bewerbung ist die Nennung Ihrer sportlichen Hobbys ein klarer Vorteil.

Auch in Bezug auf 08/15-Hobbys gibt es eine Ausnahme von der Regel: Es mag durchaus Fälle geben, in denen das eine oder andere Allerweltshobby doch einen Mehrwert für den von Ihnen angestrebten Job darstellt. Für eine Stelle als Korrekturleser oder Buchverkäufer ist lesen durchaus von Vorteil. Und für einen Reiseverkehrskaufmann ist reisen definitiv kein Nachteil.

Versuchen Sie, Ihr 08/15-Hobby als etwas nicht Alltägliches darzustellen. In puncto reisen macht es durchaus Eindruck, wenn Sie bereits alleine mit dem Rucksack mehrere Monate lang um die Welt gereist sind. Oder in Sachen lesen ist es nicht alltäglich, wenn Sie mehr als 100 Bücher pro Jahr verschlingen. 08/15-Hobbys müssen nicht zwangsläufig langweilig und uninteressant sein.

Der wichtigste Fall, in dem Sie Ihre Hobbys nennen sollten, ist (zu) geringe Berufserfahrung. Häufig jagt das Anforderungsprofil für eine Stelle dem Bewerber einen kalten Schauer über den Rücken, da so viel Berufserfahrung oder spezifische Qualitäten gefordert sind, die sie/er gar nicht oder nur in unzureichendem Maße vorweisen kann.

In so einem Fall kann es durchaus sinnvoll sein, gegebenenfalls fehlende berufliche oder fachliche Qualifikationen durch Hobbys und Interessen zu „ersetzen“. Selbstverständlich ist ein vollwertiger Ersatz in der Regel kaum möglich. Nichtsdestotrotz können Hobbys und Interessen aber Eigenschaften des Bewerbers andeuten, die die geforderten beruflichen bzw. fachlichen Qualifikationen teilweise kompensieren.

Wenn in einer Stellenanzeige beispielsweise zwei Jahre Personalführungskompetenz gefordert wird, Sie diese jedoch noch nicht vorweisen können, dann sollten Sie als Ersatz erwähnen, dass Sie seit fünf Jahren Kapitän einer Amateur-Fußballmannschaft sind. Ihre langjährige Rolle als Kapitän einer Mannschaft aus mehr als 10 Personen lässt darauf schließen, dass Sie Kompetenzen in der Führung von Menschen haben und von Ihren Mitspielern anerkannt sind.

Auch ehrenamtliche Tätigkeiten können sich als sehr wertvoll in der Kompensation fehlender beruflicher Erfahrungen erweisen. Wenn Sie zum Beispiel seit vielen Jahren als ehrenamtlicher Projektmanager eine Hilfsorganisation unterstützten, deutet das an, dass Sie in der Lage sind, ein Projekt und ein Team zu steuern.

Welche Eigenschaften werden durch Hobbys und Interessen transportiert?

Bei den meisten Menschen steht Sport an oberster Stelle der Hobbys und Interessen. Unter den Sportarten zählen nach wie vor Teamsportarten wie Fußball, Handball und Volleyball zu den beliebtesten. Auch bei Personalmanagern sind Teamsportarten in der Regel gerne gesehen. Ein Mitspieler in einer Teamsportmannschaft muss teamfähig sein – eine Eigenschaft, die diese Person auch mit in ein Unternehmen bringt.

Auch Ausdauersportarten wie Marathon oder Bergsteigen werden von Personalmanagern grundsätzlich positiv bewertet. Sie stehen für Eigenschaften wie Hartnäckigkeit, Hingabe und Motivation - lauter Eigenschaften, die auch in der Unternehmenswelt von Vorteil sind.

Bei Extremsportarten wie Base-Jumping, Fallschirmspringen oder Triathlon gehen die Meinungen hingegen auseinander. Von manchen Personalmanagern werden Bewerber, die einer Extremsportart nachgehen, positiv bewertet. Sie zeigen an, dass der Kandidat bereit ist, an seine Grenzen zu gehen, diszipliniert trainiert und in der Lage ist, seine Angst zu überwinden. Besonders in Führungspositionen sind diese Eigenschaften keineswegs von Nachteil. Andere Personalmanager stehen Extremsportarten jedoch kritischer. Sie argumentieren, dass Extremsportler unkalkulierte Risiken eingehen und sich, ihre Angehörigen und ihre Unternehmen dadurch unnötig in Gefahr bringen.

Yoga wird hingegen durchwegs positiv beurteilt. Wer Yoga betreibt, ist in der Lage, sich zu entspannen und kann somit besser mit Druck umgehen. Besonders in Unternehmen und Branchen mit langen Arbeitszeiten und einem hohen Arbeitsdruck kann Yoga als Hobby ein Bonus sein.

Auch reisen kann, wie bereits an anderer Stelle erwähnt, ein Pluspunkt für den Bewerber sein. Wer viel reist, ist in der Regel ein offener und kommunikativer Mensch, der sich mit seinem Umfeld aktiv auseinandersetzt. Vor allem für Jobs in einem internationalen Umfeld und mit hohem Kommunikationsbedarf ist reisen ein wertvolles Hobby.

Ebenso kann ein musikalisches Hobby ein Vorteil bei einer Bewerbung darstellen. Wer über viele Jahre gelernt hat, ein Musikinstrument zu beherrschen, demonstriert damit, dass sie/er ein disziplinierter und fokussierter Mensch ist – Grundeigenschaften, die in vielen Positionen von Vorteil sind.

Und nicht zuletzt kann auch fotografieren ein wertvolles Hobby für eine Bewerbung sein. Fotografen zeichnen sich durch Geduld und Kreativität aus – beides Eigenschaften, die in vielen Unternehmen eine Rolle spielen.

Egal, um welches Hobby bzw. Interesse es sich handelt, Sie sollten sich immer fragen, ob dadurch eine bestimmte Eigenschaft transportiert wird, die für die angestrebte Stelle nützlich sein könnte. Sie werden sehen, es gibt kein Hobby, das nicht auf irgendeine wertvolle Eigenschaft schließen lässt. Wenn Ihnen nichts dazu einfällt, fragen Sie doch Ihre Familie oder Ihre Freunde, welche Eigenschaften sie mit diesem Hobby bzw. Interesse verbinden. Sie werden überrascht sein, wie viele interessante Antworten Sie darauf erhalten werden.

Fazit zu Hobbys und Interessen im Lebenslauf

Wie gezeigt, will die Nennung von Hobbys und Interessen im Lebenslauf wohlüberlegt sein. Kaum ein anderer Bereich bietet so viele Fallstricke, die einem Bewerber zum Verhängnis werden können.

Am entscheidendsten ist, dass die genannten Hobbys und Interessen einen Mehrwert für Ihre Bewerbung darstellen. Konzentrieren Sie sich deshalb auf diejenigen, die zu der Stelle bzw. Ihrem potenziellen Arbeitgeber passen. Idealerweise stechen Sie mit Ihren Hobbys aus der Masse der Bewerber hervor.

Aber Vorsicht: Bleiben Sie bei der Darstellung immer bei der Wahrheit und erfinden Sie keine Sachen hinzu. Personalmanager haben ein sehr feines Gespür für Bewerber. Im schlimmsten Fall hat der Personalmanager das gleiche Hobby wie Sie und wird Ihnen so richtig auf den Zahn fühlen. Gehen Sie immer davon aus, dass bei einem Bewerbungsgespräch Rückfragen zu Ihren Hobbys und Interessen kommen.

Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob eines Ihrer Hobbys oder Interessen eine positive Wirkung auf Ihren Lebenslauf hat, lassen Sie es im Zweifelsfall lieber weg. Hobbys und Interessen sind keine Muss-Angabe und weniger ist oft mehr. Nennen Sie lieber ein oder zwei Hobbys, über die Sie Interessantes zu berichten wissen, als eine ganze Liste an langweiligen Allerweltsinteressen anzuführen.

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